Eine Wärmepumpe funktioniert in den meisten Altbauten — wenn sie zur Heizlast des Hauses passt. Entscheidend sind Vorlauftemperatur und Heizflächen, nicht das Baujahr. Ob Ihr Haus geeignet ist, zeigt die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831; ein erstes ehrliches Gefühl gibt der „55-Grad-Test" an der bestehenden Heizung. Fußbodenheizung ist keine Voraussetzung, Komplettdämmung auch nicht.
Warum das Baujahr die falsche Frage ist
„Altbau" sagt fast nichts darüber, ob eine Wärmepumpe funktioniert. Ein Haus von 1965 mit neuen Fenstern, gedämmter oberster Geschossdecke und großzügigen Heizkörpern kann besser geeignet sein als ein Haus von 1995, das nie angefasst wurde. Was zählt, ist eine einzige Frage: Bekommt Ihr Haus seine Räume mit niedriger Vorlauftemperatur warm? Genau das prüft die Heizlastberechnung — Raum für Raum, mit den echten Daten Ihres Hauses statt mit Vermutungen.
Der Praxis-Check: vier Dinge, auf die es ankommt
Vorlauftemperatur
Je niedriger die Temperatur, mit der Ihr Heizwasser durchs Haus läuft, desto effizienter arbeitet eine Wärmepumpe. Viele Anlagen im Bestand laufen unnötig heiß, weil sie nie einreguliert wurden — hier steckt oft mehr Spielraum, als Eigentümer vermuten.
Heizflächen
Große Heizkörper, Plattenheizkörper oder Flächenheizung geben Wärme auch bei niedriger Temperatur gut ab. Sind einzelne Räume kritisch, wird gezielt nachgerüstet — einzelne Heizkörper, nicht das ganze Haus.
Heizlast
Die entscheidende Zahl: Wie viel Wärme braucht Ihr Haus am kältesten Tag? Sie wird nach DIN EN 12831 Raum für Raum berechnet — aus Bausubstanz, Fenstern, Dämmung. Nicht geschätzt, gerechnet. Danach steht fest, welche Anlage passt.
Strom & Aufstellort
Elektroanschluss, Platz für Außen- und Inneneinheit, Abstand zum Nachbarn: alles planbar, wenn man es vorher plant. Bei uns gehören Elektro und Tiefbau zum Projekt — Sie koordinieren keine drei Firmen.
Der 55-Grad-Test: das ehrliche Vorab-Gefühl
Eine Faustregel aus der Praxis, die Sie selbst ausprobieren können: Stellen Sie an einem richtig kalten Wintertag die Vorlauftemperatur Ihrer Heizung auf 55 Grad und drehen Sie die Thermostate voll auf. Wird das Haus trotzdem warm, stehen die Chancen gut, dass eine Wärmepumpe effizient arbeitet. Der Test ersetzt keine Berechnung — aber er kostet nichts und entlarvt die Pauschalaussage „geht bei Ihnen nicht" oft als das, was sie ist: geraten.
Und wenn es knapp wird? Dann heißt die Antwort selten „geht nicht", sondern „geht mit gezielten Handgriffen": einzelne Heizkörper vergrößern, hydraulischer Abgleich, punktuell dämmen. Und manchmal heißt die ehrliche Antwort auch: Bei Ihrem Haus ist eine andere Lösung wirtschaftlicher. Auch das sagen wir Ihnen — wir bauen Gas- und Ölheizungen ebenfalls ein und müssen Ihnen keine Wärmepumpe verkaufen.
Förderung: gerade im Altbau interessant
Der Staat fördert vor allem den Abschied von Öl, Gas und Kohle — also genau die Situation der meisten Altbauten. 30 % Grundförderung zahlt die KfW, mit Boni sind je nach Situation bis zu 70 % der förderfähigen Kosten möglich. Wichtig ist die Reihenfolge: erst der Antrag, dann der Auftrag. Die Details stehen im Förder-Ratgeber, Ihre mögliche Höhe zeigt der Förderrechner in zwei Minuten.